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Welche Kosten entstehen in einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft?

  • Wie hoch sind die Miet- und Nebenkosten?
  • Wieviel Haushaltsgeld wird üblicherweise gebraucht?
  • Wie hoch sind die Pflege- und Betreuungskosten und wie werden sie berechnet?

Hier finden Sie einen ausführlichen Auszug dazu aus der Broschüre

 

Qualitätskriterien für ambulant betreute Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz - eine soziale Herausforderung!

- Orientierungs- und Entscheidungshilfe -

4. vollständig überarbeitete Auflage, Berlin 2016


Miete

  • zwischen 300 – 630 Euro Warmmiete

  • die Miethöhe ist abhängig von:

- dem Mietspiegel/Bezirk
- der Bauart
- der Lage
- der Heizungsart
- den Betriebskosten
- der Ausstattung, z.B. eigenes Bad, individuell gestaltete Küche
- der Zimmergröße

- Zimmer mit eigenem Bad oder Toilette

- der anteiligen Gemeinschaftsfläche je Mieterin

  • Mögliche weitere Umlagen:

(Teils als Bestandteil des Mietvertrages oder in gesonderten Vereinbarungen geregelt, z.B. in einer Gemeinschaftsvereinbarung der Nutzerinnen.)

- Strom

- Telefon (Gemeinschaftstelefon und ggf. eigenes Telefon im Zimmer)

- TV-Gebühren (z.B. Kabelanschluss)

- Rundfunkbeitrag (GEZ-Gebühren, „Eine Wohnung – ein Beitrag“)

- Wohngruppenversicherung (z.B. Hausrat/ - Haftpflicht)

- Verwaltungsgebühren des Vermieters

- zusätzliche Müllgebühren (BSR)

- Rücklagen für gemeinschaftliche Reparaturen, Renovierungen oder Neuanschaffungen

(Im Rahmen des Mietvertrages oder einer Gemeinschaftsvereinbarung.)

  • Mögliche gesonderte Kosten für Extras/Dienstleistungen:

- Handwerkerkosten

- Fensterputzer

- Einkaufsservice/ Bringedienste


Haushaltsgeld/Persönlicher Bedarf

  • 200 – 250 Euro Haushaltsgeld für die Grundversorgung an:

- Lebensmitteln/Getränken

- Wasch-/Hygieneartikel

- Putzmittel

- kleinere Anschaffungen für die Gemeinschaft (z.B. Glühbirnen, kleine Küchenelektrogeräte)

- Ausgaben, die durch Vereinbarungen der Gemeinschaft beschlossen wurden, zum Beispiel Kosten für Gruppenangebote (Musik,- Bewegungs- oder Maltherapie o.ä., die nicht oder nur teilweise über andere Leistungsansprüche finanziert werden) oder gemeinschaftliche Mitgliedschaften (z.B. als Gremiumsmitglied im SWA)

  • Persönlicher Bedarf:

Nutzerinnenbezogene Anschaffungen wie Kosmetik, frei verkäufliche Medikamente, Zigaretten, Friseur, Fußpflege, u.a.

  • Taschengeld:

Wird individuell vereinbart, je nach Bedarf und der Möglichkeit der eigenständigen Verwendung durch die Nutzerin.

 

Das Haushaltsgeld wird in der Regel an den Pflegedienst überwiesen, der das Geld verwaltet.


Pflege- und Betreuungskosten

 

  • Änderungen durch das Pflegestärkungsgesetz II und III seit dem 01.01.2017

Mit dem 01.01.2017 gab es Änderungen im Sozialgesetzbuch XI (SGB) - Soziale Pflegeversicherung -: Durch das Inkrafttreten des Pflegestärkungsgesetzes II  wurden die bisher gültigen Pflegestufen in fünf Pflegegrade umgewandelt sowie die Pflegegeld- und Sachleistungsansprüche erhöht.

 

Hier finden Sie eine Übersicht zu den Änderungen

  • Vergütung für Leistungen in ambulant betreuten Wohngemeinschaften ab 01.03.20187 (s. Übersicht):

Die Vergütungsvereinbarungen der Pflegedienste im Land Berlin mit den Pflegekassen wurden aufgrund der gestiegenen Kosten mit Wirkung vom 01.01.2017 angepasst. Dadurch änderten sich auch die einzelnen Preise der für die Versicherten (WG-Bewohnerinnen) erbrachten Leistungen.  

 

Für die Pflegegrade 1 – 3 gilt: Die Leistungen werden gemäß der vertraglichen Vereinbarungen zwischen Versicherten und Pflegedienst erbracht.

 

Für die Pflegegrade 4 und 5 gilt bzgl. der sog. Tagespauschale: Der bisherige Leistungskomplex 38 Tagesgestaltung und psychosoziale Betreuung sind seit dem 01.01.2017 inhaltlich vollkommen in den Leistungskomplex 19 Tagespauschale für Menschen in Wohngemeinschaften integriert und vereint die gesamte Punktzahl von bisher LK 19/38 in sich. So tritt in der Leistungsvereinbarung und auf der Rechnung an die Stelle von LK 19 und LK 38 seit dem 01.01.2017 ausschließlich der Leistungskomplex 19 in Kraft.

 

 

Seit dem 01.03.2018 sind neue Punktwerte vereinbart. Der höhere Satz soll einer übertariflichen Vergütung für das Pflegepersnal zu Gute kommen.

 

Die sog. Tagespauschale beträgt nunmehr bis zu höchstens 120,10 € pro Tag

 

Wichtig:

Alle in den LKs benannten Maßnahmen der Beratung, Betreuung und Pflege in den Bereichen:

·      Mobilität
·      Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
·      Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
·      Selbstversorgung
·      Bewältigung von/und selbständiger Umgang mit krankheits- und

       therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
·      Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte
·      Außerhäusliche Aktivitäten und Haushaltsführung

sollen vorrangig als anleitende, motivierende und auffordernde Pflege zur Erhaltung bzw. Stärkung der Selbstversorgungspotentiale der WG-Bewohnerinnen erbracht werden.

 

 

 

Leistungskomplex 20 „Betreuungsmaßnahmen“

 

Insbesondere dieser Leistungskomplex sollte dringend detailliert und individuell vertraglich vereinbart werden und die individuellen Wünsche und Bedürfnisse des Versicherten widerspiegeln.

(s. Vergütungstabelle)


Betreuungs- und Entlastungsleistungen (SGB XI § 45b)

 Das Budget für Betreuungs- und Entlastungsleistungen beträgt zukünftig anstatt 104,00 € bzw. 208,00 € einheitlich für alle Versicherten mit einem Pflegegrad 125,00 €.

Dieser Betrag steht weiterhin für Betreuungsmaßnahmen zur Verfügung.

In den Pflegegraden II bis V kann er zudem auch für hauswirtschaftliche Verrichtungen (Leistungskomplexe 08 bis 15) eingesetzt werden.

Versicherte, die bereits vom 01.01.2015 bis 31.12.2016 die Anspruchsvoraussetzungen erfüllt haben, können nicht verbrauchten Gelder noch bis zum 31.12.2018 einsetzen. (s. Notiz)


Investitionskosten nach § 82 Abs. 4 SGB XI

 

Der Senat des Landes Berlin hat gemeinsam mit allen Pflegediensten in Berlin gemäß den gesetzlichen Bestimmungen eine Investitionskostenvereinbarung getroffen, die am 01. Januar 2013 in Kraft getreten ist. Diese sieht vor, dass die Investitionskosten der Pflegedienste (z.B. die Miet- und Pachtkosten für die Räumlichkeiten oder die Kosten für die Anschaffung und Instandhaltung von PKWs) die Kunden der Pflegedienste anteilig mittragen. Von den Pflegekassen werden diese Kosten nicht übernommen.

Die Pflegedienste sind verpflichtet, die gesetzlich vorgesehenen Investitionskostenanteile in Höhe von 2,33% bis 4,5%, im Normalfall 2,5% vom monatlichen Gesamtbetrag der Pflegeleistungen in Rechnung zu stellen.

 

 

Eine Übersicht für die Investitionskostenpauschale Ihres Pflegeanbieters finden Sie hier.

Info-Blatt 01/17 zu Änderungen in der Finanzierung durch das Pflegestärkungsgesetz II und III und Kosten in ambulant betreuten WGs